ap02_“Ihre Landkarte ist nicht die Landscchaft“

„Die Landkarte ist nicht die Landschaft.“
Dieser Satz des Konstruktivismus beschreibt ein Grunddilemma unserer Existenz. Dass wir uns nämlich nicht direkt auf die Realität beziehen können, sondern uns immer innere Bilder (Landkarten) von der Realität machen.

Landkarten sind das Modell der Welt, das wir in unserem Gehirn zusammenfügen und recht bald für die wirkliche Welt halten. Die Landkarte ist unsere Interpretation der Realität, dessen, was wir sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken. Damit erschaffen wir unsere Möglichkeiten und im gleichen Maße auch unsere Grenzen. Das heisst, während wir die Welt wahrnehmen, erschaffen wir eine Landkarte der Welt in unserem Kopf. Was wir für unsere individuelle Psyche halten, ist im wesentlichen die Landkarte der Beziehungserfahrungen unseres Lebens.

Die meiste Zeit über ist das ein sehr nützlicher Prozess. Wir erhalten mit dieser Landkarte eine vereinfachte Abbildung der Welt. Und wenn wir Glück haben, dann sind die wesentlichen Faktoren abgebildet und die anderen weggelassen, sodass wir es leichter haben, uns in dieser Umwelt zu orientieren und zu organisieren (wie zum Beispiel bei einem Stadtplan).

Probleme treten meist dann auf, wenn wir unsere Landkarte von der Welt für die Realität halten.
Das bedeutet: es gibt ((wahrscheinlich) eine objektive Welt, doch wir interpretieren sie ständig. Wir interpretieren alles, was uns widerfährt. Wir reagieren und handeln eher auf dem Hintergrund unserer Landkarten als darauf, was wirklich geschieht, weil wir häufig Landkarte und Landschaft miteinander verwechseln.