APE Warum Ratschläge und Hilfe ohne Auftrag meistens schiefgehen.

„Bitte nicht helfen! Es ist schon schwer genug.“ Diesen ironischen Stoßseufzer hörte ich vor Jahren bei einer Supervision des Pflegepersonals in einer Klinik. Doch warum ist Helfen so eine schwierige Sache?

Meine Erfahrungen als Trainer, Coach und Therapeut haben mich über die Jahre folgendes gelehrt:

Nicht jeder, dem es schlecht geht, will Hilfe.

Alle Menschen, die zu mir kommen, haben ein Problem, das sie glauben, nicht allein lösen zu können. Fast alle klagen darüber, dass es ihnen damit schlecht geht, zum Teil schon seit Jahren. Doch nicht jeder, dem es schlecht geht, will auch Hilfe. (Bei den Menschen, die zu mir kommen, sind es ca. 40 Prozent)
Die Frage ist: was wollen die anderen?
Meine Antwort: sie wollen sich besser fühlen – aber keine Hilfe. Sie fühlen sich besser, wenn man ihnen zuhört, ihre Beschwerden, Klagen und Vorwürfe an andere ernst nimmt und versteht. Aber bitte keine Hilfe. Dann erleben Sie heftigen Widerstand nach dem Muster:

  • Das geht nicht.
  • Das traue ich mich nicht.
  • Das hilft nichts.
  • Dafür bin ich zu alt/zu jung/zu dumm/zu intelligent etc.

Nicht jeder, der Hilfe will, will auch etwas ändern.

Viele Menschen wollen geholfen bekommen – aber nichts selbst ändern.

Das ist das gängige Arzt-Patient-Modell: der Patient schildert seine Beschwerden und der Arzt verschreibt ein Medikament oder eine Maßnahme, zum Beispiel einen Cholesterinsenker. Sobald jedoch der Arzt auf die Eigeninitiative des Patienten anspielt: „Kurzfristig wird Ihnen der Cholesterinsenker helfen, langfristig müssen Sie Ihre Ernährung umstellen.“ trennt sich die Spreu vom Weizen.
Denn Geholfen werden ist bequem, etwas ändern meist unbequem.

Geben Sie Ratschläge oder Tipps nie ohne Auftrag!

Hilfe, die wirklich etwas bewirken soll, braucht einen Auftrag. Eine deutliche Aufforderung: „Bitte hilf mir!“
Was oft passiert, ist, dass man einen anderen dabei beobachtet, dass es ihm nicht gut geht oder er mit etwas nicht zurecht kommt.“

Hören Sie mehr dazu in diesem Podcast.

Diesen Beitrag können Sie nachlesen auf meinem Persönlichkeits-Blog.

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